Preisgarantie beim Strom: Vorsicht Kostenfalle

Viele Verbraucher trauten am Jahresende ihren Augen nicht, als ihnen ihre Stromanbieter die neuen Tarife für 2013 mitteilten. Dass es zu Kostensteigerungen durch die EEG-Umlage kommen würde, war lange klar. Doch die Wucht der Preiserhöhungen, bei denen manche Anbieter bis zu 20 Prozent mehr für eine Kilowattstunde Strom verlangten, traf viele Haushalte unvorbereitet. Wer glaubt, mit einer Preisgarantie für Strom und einem Vertrag mit einer mehrjährigen Laufzeit zukünftigen Preissteigerungen aus dem Weg zu gehen, sollte die Vertragsbestandteile genau unter die Lupe nehmen.

Die EEG-Umlage: Preistreiber Nr. 1 für Privathaushalte

Das Gesetz über die Erneuerbaren Energien, kurz EEG, sieht den schrittweisen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Kernenergie zur Stromerzeugung vor. Finanziert wird der Ausstieg über die EEG-Umlage, von der grundsätzlich alle Stromverbraucher in Deutschland betroffen sind. Mit der Begründung, die Wettbewerbsfähigkeit stromintensiver Branchen in Deutschland auf dem Weltmarkt erhalten zu müssen, werden allerdings zahlreiche Bereiche der Wirtschaft von der Umlage befreit. Die Zeche für diese indirekte Förderung zahlen die Millionen Privathaushalte sowie kleinere und mittelständische Unternehmen in Deutschland, die in der Politik keine Lobby besitzen. Nach Berechnungen des Bundes der Energieverbraucher e.V. werden sie mit 0,6 Cent pro Kilowattstunde allein für die Förderung stromintensiver Wirtschaftszweige zur Kasse gebeten.

Preisgarantien als Lösung für Privathaushalte?

Zahlreiche Stromanbieter locken vor dem Hintergrund der jüngsten Preiserhöhungen mit mehrjährigen Preisgarantien. Die Verbraucher sollen auf diese Weise Planungssicherheit gewinnen und auf einen konstanten Strompreis vertrauen können. Bei diesen Angeboten lohnt ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen, denn die Garantien beschränken sich mehrheitlich nur auf den Teil des Strompreises, der von den Anbietern selbst kontrolliert wird. Staatliche Abgaben und Umlagen aus dem Gesetz über Erneuerbare Energien sind von diesen Zusagen ausgenommen.

In der Gegenwart sind jedoch die Umlagen durch die staatlich verordnete Energiewende Preistreiber Nr. 1. Mit Folgen für die Verbraucher: Steigt der Strompreis in der Zukunft durch weitere staatliche Abgaben, erhöht sich automatisch auch der Preis für die Kilowattstunde Strom und damit der vermeintlich konstante Strompreis. Haben sich die Kunden ohne Ausstiegsklausel über mehrere Jahre an einen bestimmten Anbieter gebunden, kann sich die Preisgarantie für den Strom sehr schnell zur Kostenfalle entwickeln.

Verbraucherschützer raten zu kürzeren Laufzeiten

Vor diesem Hintergrund rät die Verbraucherzentrale NRW, Verträge mit einem Stromanbieter maximal mit einer Laufzeit von einem Jahr abzuschließen. Die Energieexperten weisen darauf hin, dass Privathaushalte mit einer kürzeren Laufzeit häufig günstiger als bei mehrjährigen Angeboten mit Garantiepreis wegkommen. Darüber hinaus kommen Kunden mit Langzeitverträgen nicht in den Genuss eventueller Preissenkungen durch die Anbieter, da sie nicht weitergereicht werden. Vor einem Wechsel des Stromanbieters empfiehlt es sich in jedem Fall, das aktuelle Preisniveau für den Strompreis der jeweiligen Region unter die Lupe zu nehmen.

Um alle Angebote objektiv zu vergleichen steht eine Reihe von Vergleichsportalen zur Verfügung. Viele Preiserhöhungen zu Jahresbeginn wurden von den Anbietern nur vage oder gar nicht begründet. Verbraucherschützer vermuten, dass einige Stromanbieter die EEG-Umlage als Deckmantel benutzen, um die eigenen Margen zu erhöhen.

Weitere interessante Themen: